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Aus der Sammlung des Bebenhäusers Heiner Bühler und anderen Quellen werden Sie hier in diesen Wochen jeweils Freitags eine Postkarte mit historischen Ansichten aus und von Bebenhausen finden.

Diese zeigt das historische „Gasthaus zum Hirsch“ von der Ziegelbrücke aus, gesendet am 17.08.1958 – fast sechzig Jahre nach der letzten Postkarte von 1899 und mehr als sechzig Jahre vor heute.

Aus dem Bericht des Ortschronisten Hans Haug kann man über die Unterschiede zwischen beiden Bildern lernen. Kurz nach der letzten Postkarte, vor fast 120 Jahren, am 1. Oktober 1901, übernahm die Familie Feyerabend – Fleck – Fischer, den Hirsch vom Brauereibesitzer Louis Heinrich aus Lustnau, dem sie ihn 1904 für 25.000 Mark abkaufen konnten: „Beim Aufziehen des jungen Ehepaars Feyerabend war das Anwesen noch recht klein und zierlich. Durch unermüdlichen Fleiß, gute Bedienung der Gäste und das allzeit freundliche und entgegen kommende Wesen der Wirtsleute ist es gelungen, den Betrieb zum heutigen, sehr gut gehenden und weit über die Grenzen unserer engeren Heimat hinaus bekannten Gaststätten- und Beherbergungsbetriebe aus- und umzubauen“, notierte die Ortsverwaltung 1951.

Weiter Hans Haug:

„Die für ihre Tatkraft und Energie bekannte Großmutter von Frau Fischer machte aus der einfachen Dorfwirtschaft ein allseits gerühmtes Haus. Dabei half ihr, daß allmählich der Fremdenverkehr das verträumte Kloster und Jagdschloss entdeckte – nicht zuletzt gefördert durch die inzwischen ausgebaute Straße.

Gesendet wurde diese Postkarte 1958 nach Badenweiler, an Frl. Eike+Ing. Andreae von ihrer Mutter:

 

Hans Haug schreibt auch über die Veränderungen in der Küche in der Nachkriegszeit ab der Rückkehr des Wirtes Erich Fleck aus der Kriegsgefangenschaft 1946:

Wieder in seiner Küche, begann Erich Fleck seine Vorstellungen von einem guten Landgasthof zu verwirklichen. Die markanteste Neuerung war, dass erstmals Gerichte auf der Speisekarte erschienen, die der Name des Restaurants schon seit langem erwarten ließ: Wild. Damit hatte der Hirsch wieder seine Besonderheit, die ihn von den meisten anderen Gaststätten in der Umgebung unterschied. Zudem blieb er ein Haus mit familiärer Atmosphäre, in dem sich Stammgäste und Belegschaft kannten und jeder von den Eigenheiten des anderen wusste. Das alles gefiel den Ausflüglern auf ihrer Sonntagstour; den Parlamentariern, die bis 1952 in Bebenhausen tagten und wohl manche wichtige Entscheidung auf den Nachsitzungen im Hirsch aushandelten.; den Beamten der Forstverwaltung, die hier ihre Abonnementsessen verzehrten; den Professoren und Studenten Tübingens und den zahllosen anderen Gästen.