Schlagwörter

, , , ,

In 80 Tagen um die Welt

nach dem Roman von Jules Verne

Alterseinstufung: 14+

„Ich bin stets reisefertig.“

Wir schreiben das Jahr 1872. Vieles hat sich verändert: In Amerika fährt die erste transkontinentale Eisenbahn, in Ägypten wird der Sueskanal fertiggestellt, auf dem indischen Subkontinent wächst das Schienennetz zusammen – kurz: Die Welt wird kleiner. So klein, dass der britische Gentleman Phileas Fogg eine unerhörte Wette wagt. Fogg, von Natur aus Spieler, sitzt wieder einmal mit den steifen Mitgliedern seines Refomclubs bei einer Partie Whist, als er beschließt: Einmal um die ganze Welt will er reisen, und zwar in genau 80 Tagen. Wetteinsatz ist die stolze Summe von 20.000 Pfund Sterling. Ohne lange zu fackeln, bricht Phileas Fogg auf, einzig in Begleitung seines scharfsinnigen, französischen Dieners Passepartout. Zu dumm nur, dass gleichzeitig in die Bank of England eingebrochen wird. Denn kaum in Ägypten angekommen, fallen die beiden eiligen Gestalten mit dem vielen Geld im Reisesack dem eifrigen Detektiv Fix auf, der sich fortan an ihre Fersen heftet… Per Dampfer, Eisenbahn, Postschiff und auf Elefantenrücken beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit und gegen allerlei Widrigkeiten. Werden 80 Sonnenauf- und -untergänge für Phileas Fogg ausreichen, um einmal die komplette Erde zu umrunden?

Der Text von Science-Fiction-Pionier Jules Vernes (1828–1905) ist mehr als bloß eine Abenteuergeschichte: Ob Fogg und seine Begleiter die indische Witwe Aouda vor dem Scheiterhaufen retten oder ihre Lokomotive in Nebraska von Sioux überfallen wird, immer schwingt auch die Kolonialmentalität des ausklingenden 19. Jahrhunderts mit, die Europa als Mittelpunkt des vorherrschenden Weltbildes setzt. Eine Gelegenheit, diese Geschichte mit heutigen Augen zu betrachten und sich zu fragen, was für eine Welt das eigentlich ist, die da in 80 Tagen umrundet wird.

Premiere 10. Juli 2020

Nächste Aufführungen 10.07.20 TICKET , 11.07.20 TICKET , 12.07.20 TICKET

Aus dem Interview mit der Regisseurin im Schwäbischen Tagblatt:

Fanny Brunner: Phileas Fogg verkörpert den von Aufklärung und Industrialisierung zum Idealtypus stilisierten Menschen. Er ist weiß, männlich und hat gepflegte Umgangsformen. Er steht für die Perfektionierung von Fortschritt, denn er ist gebildet, wohlhabend und äußert nie Gefühle. Im Reformclub in London herrscht gähnende Langeweile, und so lässt er sich auf die Wette ein, die Erde in 80 Tagen zu umrunden. London liegt am Nullmeridian unserer gelebten Zeitordnung. Fogg reist also von 0 zu 0 einmal um den Erdball. Das hat Symbolkraft, denn er geht sozusagen immer geradeaus und kommt trotzdem wieder bei sich selbst an, ohne sich jemals umzudrehen. Er scheint nicht viel mitzunehmen von seiner Reise außer einer Frau, denn er hat es vor allem eilig, wieder mit Erfolg nach Hause zu kommen. Aber knapp 150 Jahre später hilft er uns Zuschauern dabei, einen reflektierenden Blick auf unsere Welt zu werfen.

Zum ganzen Text im Tagblatt:
https://www.tagblatt.de/Nachrichten/Unsterblich-und-immer-auf-Reise-463762.html