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Immer wieder am Montag finden Sie hier ein Video aus und über Bebenhausen, den Ort, das Kloster, das Schloss, den historischen Landtag, den umgebenden Schönbuch und mehr…

Anlass dieses Videos war die offizielle Einweihung des im letzten Jahr fertiggestellten Fußweges „Am Ziegelberg“ in Tübingen-Bebenhausen. In einer launigen Rede in Knittelversersen skizzierte die Ortschaftsrätin, Dorothee Schad, den langen Weg zum Erfolg:

Den Text gibt es auch komplett zum Nachlesen:

 

Der lange Weg zum Weg „Am Ziegelberg“
oder wie Bebenhausen dem OB half, ein Wahlversprechen zu halten

 

Ein Fußweg „Am Ziegelberg“ – ein Mann, ein Wort! – Das er hält?
Wenn ein Amtsträger das tut, er manchen gefällt.
Doch in diesem Fall zumindest reichte das Wort nicht.
der Amtsträger verspricht‘s, die Behörde sagt nein – so das Gerücht!
Und dennoch, liebe Leute, kann ich Euch sagen,
die Tat war versprochen und es gibt nichts zu klagen,
jedoch – das ist wohl der Trick bei solchen Sachen –
weil das Entscheidende die Bürger selber machen!

Doch der Reihe nach, denn der Weg zum Weg war lang.
Ich erzähl Euch alles von Anfang an.
Seit je her gehen die Leute munter
zu Fuß von Waldhäuser nach Bebenhausen runter.
Das erste Stück des Weg‘s geht’s durch den Wald.
Ist man durch den durch, so sieht man schon bald
“die Perle des Schönbuchs“ – so vom Stadtmarketing Tübingens benannt –
und weiter geht‘s zu Fuß auf steilen Wiesen mit bewaldetem Rand.
Allein in kalten Wintern mit ausreichendem Schnee,
rutscht manch einer auch auf dem Hosenboden runter – juhee!
Egal wie, ist man die Wiese runter, so endet der Weg gar bald.
Ab der „Burg“ beginnt die Straße, nur grauer Asphalt!
Die Straße hier wird „Am Ziegelberg“ genannt,
wohl weil in Vorzeiten hier Ziegel gebrannt.

In der Kurve bei König Karl‘s Stein diese Straße beginnt,
schmal und wellig, am Rand oft Wasser im Graben rinnt.
Diese Straße verlängert den Rittweg bis das Dorf erreicht.
Sie ist teilweise sehr steil und fährt sich nicht leicht.
Und trotzdem suchen viele, viele Autos sie auf,
wollen berghoch oder hinunter in schnellem Lauf.
Allein im Winter fährt niemand – bei Eisesglätte –
Oh wenn es die doch auch im Sommer hätte!

So war‘s aber nicht immer, dass so viele Autos hier fahren.
„Sehr zugenommen hat der Verkehr in den letzten Jahren,
soll noch mehr werden!“ – so die Klage derer, die hier wohnen.
„Warum kann der Denkmalschutz nicht vor Blechlawinen verschonen?
Warum kann’s hier nicht so bleiben wie zu alter Zeit?“
Meine Schwiegermutter hat erzählt: in ihrer Kindheit,
zu Königs Zeiten, gab’s auf dem Sträßlein zu Fuß kein Problem,
ein Auto war dort – wenn überhaupt – höchst selten zu seh‘n.
Waldhausen’s Kinder sind Tag für Tag hinabgesprungen,
in die Schule hinein: gerechnet, gelesen, gesungen,
und dann wieder hinauf. „Am Ziegelberg“ gab‘s keine Gefahren.
Außer den Heuwägen der Väter ist dort kaum jemand gefahren.
Deshalb haben die Altvorderen es nicht für nötig eracht‘,
dass ein Fußweg wird neben die Straße gemacht.
Und deshalb findet sich auch ein solcher nicht
im „Denkmalpflegerischen Werteplan Bebenhausens“, dem amtlichen Gesicht
des kleinen Dorfes, in dem wir alle sehr gerne leben
und zu Fuß unterwegs sind, nicht abgehoben schweben
sondern laufen, auch hinunter von WHO oder hinauf,
oder nur bis zur Burg. Das tun noch immer Kinder zu Hauf‘.
Nicht nur für diese birgt die schmale Straße große Gefahr,
Verkehrssicherheit war nicht angesagt, das ist wohl wahr.

Seit wann aber besteht die Gefahr für die Fußgänger „Am Ziegelberg“?
Ich hörte, in den Rathausakten steht im Oktober 1990 schon ein Vermerk
zum Thema. Was im Protokoll geschrieben, ist mir unbekannt.
Ich erinnere nur, dass zu jener Zeit man fast jeden Tag fand
Kinder und Jugendliche von wohl 10 Familien aus unserem Flecken
beim Heimweg von der Schule auf diesem Weg geh‘n und sich necken.
Auch die Kinder von Ortvorsteherin Frau Scholkmann waren mit von der Partie.
Hat sie oder erst Frau Stöffler festgestellt: „so viel Verkehr gab’s früher doch nie!“?
Wurde mit der Eingemeindung nicht ein Umgehungsweg vor dem Dorf angedacht?
Wo ist der Plan hin? Wer hat ihn in die Versenkung gebracht?
Und wer vom Ortsvorstand alles war schon für den Fußweg am Rennen?
Ich weiß nicht. Doch will ich „aus Denkmalschutzgründen“ die Ortsvorsteher im Folgenden ‚Schultes‘ nennen.

Was ich weiß: Schultes Pohl hat eine Arbeitsgruppe zusammengestellt,
den Verkehr zu analysieren, das Dorf zu begehen, die kleine Welt,
und zu beschreiben, wie es besser wäre, zumindest ein wenig.
Die Haushaltsanmeldung für „Verkehrsberuhigung“ war dann Sache von Schultes König.
In Nachfolge hat Schultes Wettach das Thema mit der Stadt weiter geklärt.
Schließlich wurde die verkehrsberuhigte Zone bei der Brücke hier „Am Ziegelberg“ gewährt.
Was den Fußweg „Am Ziegelberg“ angeht, so steht 2011 in den Akten,
„es gäbe Prüfungen mit der Verkehrsberuhigung“ – wurden die Fakten?

Drei Jahre später kam’s dann zum Wahlkampfversprechen:
OB Palmer rief: „Das ist unverantwortlich! Fast ein Verbrechen,
dass dieser Fußweg noch immer nicht gebaut.
Ich geb‘ Euch mein Wort, wenn Ihr mir vertraut!“
So wurde 2015 von der Ortschaft das für den Bau notwendige Geld
in den Haushaltsplan der Stadt Tübingen eingestellt.
Doch nach Prüfung durch die Verwaltung stellt der OB wieder alles auf „rot“,
„man müsse Grund und Boden kaufen, zu teuer ist das Gebot‘,
wir schätzen 270.000 € inklusive der Kosten, um den Weg zu bauen.
Fußgänger sollen halt weiterhin achtsam nach den Autos schauen.“

Das wollte eine Mutter von vier Kindern so nicht gelten lassen
und schrieb – ob erbost oder ruhig und gelassen –
ich weiß es nicht, kenne die Story nur vom Hören-Sagen –
einen Brief an den OB, um sich zu beklagen:
„Die Kinder sind klein, zu viele Autos fahren täglich
Ein „Nein“ zum Fußweg ist unerträglich!“

Daraufhin nahm Schultes Kurz die Sache selbst in die Hand,
und griff erst mal zu einem Meter-maß-band.
Ja, er persönlich es sich nicht nehmen ließ,
die Besitzverhältnisse zu prüfen und darauf stieß,
dass 1 Meter und 50 neben der Straße im Besitz der Stadt!
Das sollte wohl reichen, um wie zugesagt
den Fußweg bis hinauf zum Wiesenweg zu realisieren,
damit alle ohne Gefahr auch dies Stück des Weg‘s passieren.
Diese Erkenntnis hat den Ämtern der Stadt Beine gemacht:
„ Das ist ja wirklich ganz anders als wir uns gedacht“.
Flugs waren 60.000 € vom laufenden Haushalt genommen,
eine Baufirma von sonst woher gewonnen,
die gebaggert, gegraben, gehoben die Steine,
ganz große Quader, so helle, feine,
und geteert den Weg neben der Straße – nicht ganz so geschwind –
doch endlich gehen gefahrlos dort Mann, Frau oder Kind.
Auch der Denkmalschutz äußert seine Bedenken nur moderat,
so dass am Ende der OB sein Wort gehalten hat!

Doch hat er’s gehalten oder hat’s Bebenhausen erlitten?
Dank sei Schultes Kurz, er hat’s am Ende erstritten!
Nun gehört der Weg „Am Ziegelberg“ zum Dorf, kann ein Denkmal werden:
von WHO zur „Perle im Schönbuch“ laufen – ohne Beschwerden!

Ihr merkt sicher schon längst, vieles weiß ich auch nicht,
(zum Glück, sonst wär‘ noch länger dies Gedicht).
Doch ich hoffe, unter Euch jemanden zu finden,
der Lust hat, die Verkehrsgeschichte Bebenhausens zu ergründen,
in alten Akten und Protokollen nachzulesen,
was wer wann gemacht, wann was gewesen.
Und bedenkt: an menschlichem Bauwerk nagt immer der Zahn der Zeit,
ein Denkmal bleibt nie wie es war! Das lasst uns feiern heut!

Zum 29.6.2019 von Dorothee Schad nach Befragung der Zeitzeugen Schultes Kurz und Schultes a.D. Wettach

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