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„Ein Skandal in Australien und seine Auswirkungen bis Tübingen“: So lautet der Titel eines Vortrags des Stadtarchivs. Graham Willett von den Australian Lesbian and Gay Archives in Melbourne spricht über den Biochemiker und Tübinger Ehrenprofessor Alfred Gottschalk. Zum englischen Vortrag mit deutscher Übersetzung sind alle Interessierten herzlich eingeladen

am Dienstag, 4. Juni 2019, 19 Uhr,
im Rathaus am Markt, 1. Stock, Ratssaal.


Alfred Gottschalk war Jude und ist in Tübingen nur noch wenigen bekannt. Er war in seinem ersten Leben ein renommierter Biochemiker und Mitarbeiter des Kaiser-Wilhelm-Instituts. Mit der Machtergreifung Hitlers endete seine Karriere jäh. Nach Jahren der Verfolgung gelang dem Wissenschaftler im Frühjahr 1939 die Flucht aus Nazi-Deutschland. Er baute sich in Melbourne und Canberra in Australien ein zweites Leben auf und setzte seine wissenschaftliche Karriere erfolgreich fort. 1962 wurde er Opfer einer homophoben Attacke. Der Vorfall ruinierte seinen Ruf. Er verließ seine Wahlheimat und nahm eine Gastprofessur am Max-Planck-Institut in Tübingen an. Nach seinem Tod 1973 wurde er im Ehrenhain des Bergfriedhofs bestattet.

Da seine Familie im Holocaust ausgelöscht worden war, vermachte er sein Erbe testamentarisch an die „Alfred-Gottschalk-Stiftung“ für in Not geratene Studierende. Das Stiftungskapital beläuft sich gegenwärtig auf über 200.000 Euro. Die Erträgnisse werden nach wie vor an Bedürftige ausgeschüttet.

www.tuebingen.de/stadtarchiv

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