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Evangelische Kirchengemeinde Bebenhausen
Anfang Februar war es soweit: Die Glocken der Klosterkirche wurden, wie schon wiederholt angekündigt, elektrifiziert. Es ist ein Projekt, das die lange und schöne Tradition des Handgeläuts mit den heutigen Erfordernissen und technischen Möglichkeiten verbindet:
Denn Tag für Tag kann man die Glocken unserer Klosterkirche hören. Neben dem schon lange automatisierten Uhrschlag, erfolgt das liturgische und gottesdienstliche Läuten seit Jahrhunderten von Hand und wird von Ehrenamtlichen übernommen. So erklingt jeden Abend um 18 Uhr die Vaterunser-Glocke zum Vesperläuten. Ein Team von Freiwilligen aus dem Ort hat sich seit Jahren dieser Aufgabe angenommen. Bei den Trauungen am Samstag erklingt ein dreistimmiges und an den Gottesdiensten am Sonntag ein vierstimmiges Geläut, ebenfalls durch junge und ältere Gemeindeglieder. Das ist eine großartige Tradition, die erhalten bleiben soll.

Allerdings wurde es in den letzten Jahren immer schwieriger, das volle Geläut zuverlässig zu gewährleisten. Bei manchen Trauungen gelang es nicht, und auch an den Sonntagen konnte man mitunter nur mit zwei oder drei Glocken läuten. Denn aufgrund der Kleinheit unseres Ortes mangelt es an Läuternachwuchs, und nicht wenige der aktiven Läuterinnen und Läuter tun diesen Dienst schon seit Jahrzehnten.

Diese auf Dauer für alle Beteiligten unbefriedigende Situation drängte zum Handeln. Der Kirchengemeinderat als zuständiges Gremium hat sich über lange Zeit und ausführlich beraten und ist im Jahr 2016 zu einem Lösungsansatz gekommen, bei dem sich Handgeläut und elektrisches Geläut miteinander vereinbaren lassen: die sogenannte Lineartechnik. Dabei kommen Läutemaschinen zum Einsatz, die die Glocken ohne direkte Verbindung zwischen Glocke und Motor zum Schwingen bringen. Ein Drehstrommotor, der am Glockenstuhl fest installiert wird und eine am Glockenjoch befestigte Reaktionsschiene erzeugen ein Magnetfeld, das durch Wechselwirkung die Glocke zum Schwingen bringt. Auch der Glockensachverständige der Landeskirche hat die Maßnahme geprüft und unterstützt dieses Vorhaben. Zur Schonung der Glocken (zwei aus dem 14. Jahrhundert, eine aus dem 15. Jahrhundert und eine aus dem 20. Jahrhundert) wurden im Rahmen dieser Maßnahme neue, formgeschmiedete und weichere Klöppeln mit Ledereinbindung angebracht.

Anfang Februar wurden nun zwei Glocken, darunter die größte auf elektromagnetischen Antrieb umgestellt. Bei zweien wird das Handgeläut belassen, darunter die Vaterunser-Glocke, die in allen Gottesdiensten und auch beim Vesperläuten zum Einsatz kommt.
Die Stadt Tübingen, die aufgrund bestehender Verträge für die Glocken und den Glockenstuhl der Klosterkirche zuständig ist, hat einen beträchtlichen Teil der Kosten übernommen. Der renommierte Glockenfachbetrieb Bachert aus Neunkirchen, führte die Arbeiten in Zusammenarbeit mit der Elektrofirma Haug aus Bodelshausen und in Absprachen mit dem Amt Vermögen und Bau Baden-Württemberg aus.
Manfred Harm