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Die neueste Gemeinschaftsgrabstätte auf dem Tübinger Bergfriedhof heißt „Mein letzter Garten“ und bietet ab August 2014 Platz für 147 Urnen. Die Anlage ist die achte Gemeinschaftsgrabstätte auf dem Tübinger Bergfriedhof, von denen sieben der Urnenbeisetzung vorbehalten sind. Seit zehn Jahren verfolgt die Tübinger Friedhofsverwaltung das Konzept der gestalterisch anspruchsvollen Gemeinschaftsgrabanlagen. „Wir möchten eine Alternative zu Urnenwänden aus Beton bieten“, erklärt Bernd Walter, Leiter des städtischen Friedhofswesens, diesen besonderen Weg.

In der neuen Anlage wird die Urne direkt hinter einem Pultstein aus Kösseine-Granit beigesetzt, auf dem eine Bronzeplatte mit Name und Daten angebracht wird. Der Stein stammt aus dem Fichtelgebirge in Oberfranken und ist der einzige blaue bis blaugraue Granit, der derzeit in Europa gebrochen wird. Im Mittelkreis der Anlage steht eine Skulptur aus demselben Material. Sie erinnert an ein Tor und stammt ebenso wie ein aus Sandstein gehauener Koffer vom Künstler und Bildhauer Cornelius Hackenbracht aus Wald-Ruhestetten. Die Investitionskosten für die Anlage betragen rund 100.000 Euro.

Bernd Walter erläutert die Symbolik: „Die Skulptur trägt den Titel ‚Durchwegung’ und symbolisiert den Übergang, das Tor in eine andere Welt – ins Jenseits. Der davor abgestellte Koffer versinnbildlicht, dass wir nichts dorthin mitnehmen können. Viele Erinnerungen, Spuren und andere sichtbare Zeichen von uns lassen wir jedoch hier auf der Erde zurück.“ Albert Füger, Betriebsleiter der Kommunalen Servicebetriebe, ergänzt: „Mit dieser ansprechend gestalteten Anlage wollen wir die Angehörigen und andere Friedhofsbesucher in ihrer Trauerarbeit unterstützen. Dazu dienen auch die neu geschaffenen Sitzmöglichkeiten, die einen Ort der Ruhe und Einkehr anbieten.“

Wer eine Beisetzung in der neuen Anlage wählt, bekommt vieles aus einer Hand: In den einmaligen Kosten in Höhe von 3.662,50 Euro ist nicht nur der eigentliche Grabplatz enthalten, sondern auch der Pultstein mit der Bronzeschriftplatte, der Anteil an der Gesamtanlage sowie die gärtnerische Pflege für eine Ruhezeit von 20 Jahren.

Kaum andere vergleichbare Stadt hat so viele verschiedene und hochwertige Gemeinschaftsgrabanlagen wie Tübingen. Die erste Gemeinschaftsgrabstätte entstand hier 2004: Im Garten der Zeit I und II wurden seither jeweils 105 Urnen zur letzten Ruhe gebettet. Es folgten der Baumbeisetzungshain Buchengrund, der Fluss der Zeit, der Garten der Erinnerung, Schmetterling und – als einzige Gemeinschaftsgrabstätte für Erdbestattungen – der Rosengarten. Eine weitere Anlage, der Fluss der Zeit II, soll Ende dieses Jahres begonnen werden und steht voraussichtlich ab April 2015 für weitere rund 350 Urnenbeisetzungen zur Verfügung. Jede Anlage hat ein bestimmtes Thema, und immer besteht die Möglichkeit der Namensanbringung.

Die Gemeinschaftsanlagen sind über das rund 15 Hektar große Friedhofsgelände verteilt. Sie werten die Flächen qualitativ auf und strahlen auf die Aufenthaltsqualität des gesamten Friedhofs aus. In der Nähe der gestalteten Anlagen wurden spürbar mehr Ehepaar- und Familiengräber nachgefragt. Ein Rückgang der ungepflegten Gräber hat sich ebenfalls bemerkbar gemacht.

 

Etwa 20 Prozent der jährlichen Beisetzungen und Bestattungen in Tübingen sind in diesen Themengärten; 80 Prozent entscheiden sich für eine herkömmliche Grabstätte. Auch der – bundesweite – Trend zu mehr Feuerbestattungen macht sich in Tübingen bemerkbar: 2013 waren es 58 Prozent gegenüber 33 Prozent im Jahr 2000.

 

 

Anlage:

2 Fotos der neuen Gemeinschaftsgrabanlage „Mein letzter Garten“ auf dem Tübinger Bergfriedhof. Foto: Stadtverwaltung

 

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