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Im deutschlandweiten Wettbewerb zur Wahl des „Waldgebietes des Jahres 2014″ liegt der Schönbuch bereits auf Platz 2. Helfen Sie mit, und machen Sie den Schönbuch auf der Zielgeraden zum „Deutschen Waldmeister 2014“!

Die Abstimmung ist noch bis 31. August 2013 unter http://www.waldgebiet-des-jahres.de/ möglich. In mehreren Folgen veröffentlichen wir die Bewerbung des Schönbuchs zum Waldgebiet des Jahres:

2) Späte Einsicht – Geschützte Wälder heute

Erst angesichts des verschwundenen Waldes verstanden die Bewohner des Schönbuchs allmählich, dass eine zügellose Ausnutzung der Ressource Wald die eigene Lebensgrundlage zerstört – und dass man am Ende dieser Nutzungsform angelangt war.

Waldweide, Holznutzung und Wildbestand wurden massiv eingeschränkt und die Bäume konnten sich ab den 20er Jahren des 19. Jahrhunderts wieder ausbreiten. Weil sie schnell Holz liefern, wurden vor allem Kiefern und Fichten angepflanzt, die bis dahin im Schönbuch kaum zu finden waren. Sie kamen mit den ausgelaugten Böden gut klar und wurden dank der spitzen Nadeln kaum verbissen. Was damals ökonomisch zufriedenstellend gewesen sein mag, erwies sich im Laufe der Zeit jedoch als ökologisch falsch und anfällig. Die Orkane Wiebke und besonders Lothar, dem mehr als eine Million Festmeter Holz zum Opfer fielen, führten dies eindrucksvoll vor Augen. In der Folge wurden wieder verstärkt standortgemäße Baumarten eingebracht.

Die Wälder heute

Heute wird im Schönbuch ein Konzept naturnaher Waldnutzung verfolgt. Bedingt durch Windwurf aber auch durch gezielten Umbau halbierte sich der Nadelholzanteil in den letzten 30 Jahren; er soll nun bei ungefähr einem Drittel gehalten werden. Die klimalabile Fichte, deren Bestandsanteil bei 17% liegt*, wird nicht mehr aktiv eingebracht.

Kiefern machen ungefähr 12% des Bestandes aus, knapp 20% der Holzbodenfläche sind Kiefernwald. Die Kiefernwälder sind in aller Regel zwischen 100 und 130 Jahre alt und weisen einen erheblichen Anteil an Buchen und Eichen auf. Diese Wälder haben sich als ausgesprochen stabil erwiesen und lassen sich sehr langfristig behandeln, wobei dann in aller Regel eine langsame Entwicklung zu Buchenwald erfolgt.
Mit einer Höhenlage zwischen 330 und 580 Metern ist die regionale Waldgesellschaft als submontaner Buchen-Eichenwald einzustufen. Die Laubbäume haben einen Anteil von 64% und weisen ein sehr breites Artenspektrum auf. Führend ist die Buche mit 31%, gefolgt von der Eiche mit 14%. Die Buchen-Eichen- und Eichenmischwälder sind wegen ihres strukturreichen Aufbaus sehr artenreiche Lebensräume.
Aufgrund des sehr vielfältigen Standortsmosaiks und der Waldgeschichte finden sich heute fast alle heimischen Baumarten im Schönbuch wieder. Erfreulich ist ein recht umfassendes Elsbeervorkommen. Die sehr naturnahen Bachläufe werden in aller Regel von Erlengalerien begleitet.
Auch bei den kleineren Gewächsen ist die Vielfalt im Schönbuch groß. Durch die geologische und standörtliche Variationsbreite kommen allein im eng begrenzten Goldersbachtal 390 Pflanzen- und 90 Moosarten vor.

Aus Katastrophen lernen

Ein Teil der Orkan-Windwurfflächen der 90-er Jahre wurden zu Bannwäldern erklärt und sich selbst überlassen. Für Offenlandarten bieten die Wurfflächen über Jahre geeignete Lebensräume. Später stellen sich die Arten des Waldes wieder ein. Hier bietet sich nicht nur für die Forstliche Versuchsanstalt Baden-Württemberg und die Uni Tübingen die Gelegenheit, natürliche Sukzession zu erforschen. Da auch der wieder geschlossene Wald sich selbst überlassen bleibt, können die Bäume ihren ganzen Lebenszyklus vollenden. Die Alterungs- und Sterbephase und der Holzabbau verlaufen ungestört, weshalb der Totholzanteil auf diesen Flächen sehr viel höher ist, als in wirtschaftlich genutzten Wäldern. Die Vielfalt totholzbewohnender Arten in Deutschland ist erstaunlich. Bislang wurden allein 1500 Pilzarten, 1400 Käfer und 500 Fliegen und Mücken gefunden, die auf totes Holz angewiesen sind. Für sie, aber auch für Baumhöhlenbewohner wie Siebenschläfer und Fledermäuse, bieten die Bannwälder Lebensraum.

Gut gehütete Schätze

Neben den Bannwäldern gibt es im Schönbuch noch eine Reihe weiterer Schutzgebiete. 99 % der Naturparkfläche ist Natur-, Landschafts- oder Vogelschutzgebiet oder als FFH-Gebiet ausgewiesen. Damit nimmt der Schönbuch deutschlandweit einen Spitzenplatz ein.Natura2000 - Logo

In den Wald eingebettet sind Feuchtwiesen, die ursprünglich als Mäh- und Streuwiesen genutzt wurden. Am südlichen Rand des Schönbuchs finden sich Trockenbiotope, etwa Halbtrockenrasen und Trockengebüsche. Die Spezialität der Region jedoch sind Streuobstwiesen. Vögel wie der Neuntöter aber auch zahlreiche Wildbienen und andere Insekten sind auf diese Areale angewiesen. Durch Veränderungen in der Landwirtschaft sind viele dieser Biotope heute ihrer ursprünglichen Bedeutung beraubt. Da sie nicht mehr aktiv offen gehalten werden, entwickeln sich auf ihnen vielerorts standortangepasste Büsche und Wälder. Zumindest ein Teil dieser Kulturlandschaften wird im Schönbuch jedoch weiterhin extensiv genutzt und liebevoll gepflegt.

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