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König Karl I. von Württemberg (aus WikiMedia Commons: Gemeinfrei)Der kostenlose „Tagblatt Anzeiger“ befasst sich gelegentlich mit Strassennamen in Tübingen und deren Namensgebern. In der letzten Ausgabe war es die „Karlsstrasse“ nach König Karl I. von Württemberg. Zu Bebenhausen heisst es da:

Sehr gerne hielt er sich auch in Bebenhausen auf. Allerdings ging er nicht auf die Jagd wie sein Nachfolger Wilhelm II. Stattdessen restaurierte er große Teile des Klosters und der Kirche und richtete sich im Obergeschoss des Klostergästehauses ein privates Appartement im historistischen Stil ein.

Das tat er jedoch nicht mit seiner Königin Olga und auch nicht allein, wie es im Anschluss heisst: „Dabei hatte er meistens seinen derzeitigen Liebhaber zur Seite. Seine Homosexualität wurde mit überraschender Nonchalance toleriert. „Intime Herzensfreundschaften“ waren Privatsache und gingen kaum jemanden etwas an (…)“ Da war Württemberg wohl liberaler als Bayern, wo König Ludwig II zur selben Zeit durchaus Schwierigkeiten wegen seines Privatlebens hatte.

Ob es auch heute Privatsache ist und niemand etwas angeht, wenn ein Politiker oder eine Person des öffentlichen Lebens „intime Herzensfreundschaften“ hat, ist durchaus umstritten. (Siehe dazu auch hier, hier und hier) Es wäre, ungeachtet der Orientierung, aber in einer liberalen Gesellschaft zu wünschen.

Auch König Karl war liberaler als sein Vater und Vorgänger: Wir verdanken ihm nicht nur einen besseren Bestand des Klosters, sondern zunächst bereits im Jahr seines Amtsantritts die Wiederherstellung der unter seinem Vater Wilhelm I. abgeschafften Presse- und Vereinsfreiheit und später das allgemeine, gleiche, unmittelbare und geheime Wahlrecht für die Volksabgeordneten der Zweiten Kammer.

Untätigkeit als Regent in Kriegsdingen kann man auch positiv sehen. So formuliert es etwa ein Choral, der anlässlich seines Geburtstags in den evangelischen Kirchen Württembergs gesungen worden sein soll:

„Wenn wir uns König Karl betrachten 
so sitzt er still auf seinem Thron.
Er tat sich nicht hervor in Schlachten
Wie Kaiser Wilhelm und sein Sohn.
Was wir daran erkennen, ist,
dass er ein Mann des Friedens ist.“

Auch sein Tod ist mit Bebenhausen verbunden. In der Wikipedia heisst es:

Am 3. Oktober 1891 kehrte König Karl von einem Aufenthalt in Bebenhausen todkrank nach Stuttgart zurück und starb hier am 6. Oktober. Ein Jahr später, am 30. Oktober 1892, starb Königin Olga und wurde neben ihrem Gemahl in der Gruft der Schlosskirche im Alten Schloss bestattet.

Literaturhinweis:
Zum Artikel des Tagblatt Anzeigers
Paul Sauer: Regent mit mildem Zepter. König Karl von Württemberg. Stuttgart 1999

Bildquelle:
König Karl I. von Württemberg (aus WikiMedia Commons: Gemeinfrei)

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